Arbeits- und Beschäftigungsprojekt „Die Werkstatt“
Roger ist 48 Jahre alt. Gelernt hat er Mechaniker, erzählt er, spezialisiert auf Kranreparatur, war viel im Ausland. Frau und Kinder haben ihn monatelang nicht zu Gesicht bekommen. Na ja, dann gab’s Probleme, auch mit Drogen und so. Irgendwann hat er sich beraten lassen, im Drop in. Dann folgte der Entzug.
Das Jobcenter hat ihm den Job besorgt, hier bei der Werkstatt. Seitdem kümmert er sich um die Sauberkeit der Grünflächen im Schöneberger Norden. „Hier, schau’n se sich dit an“, sagt er und zeigt in eine Ecke des Ballspielplatzes in der südlichen Frobenstraße. Eine Ansammlung gebrauchter Kondome liegt dort neben aufgerissener Verpackung unter dem ersten Herbstlaub. „Da musste vorsichtig sein“, sagt er und zieht eine Spritze aus dem Haufen. „Ohne Handschuhe jeht hier jarnüscht!
„Die werkstatt ist ein Projekt für suchtmittelgefährdete und -abhängige Menschen, deren gesundheitliche Situation sich so stabilisiert hat, dass leichte Arbeiten verrichtet werden können. „Wir wollen unsere Klienten durch Beschäftigung nicht nur fördern, sondern auch fordern, denn Arbeit ist eins der Grundbedürfnisse der Menschen und Grundlage für die Reintegration von Drogenabhängigen in unsere Gesellschaft.“, erklärt Michael Hoffmann-Bayer, Geschäftsführer des Drogennotdienst Berlin e.V.. Neben einer sinnvollen Beschäftigung steht die Entwicklung beruflicher Perspektiven im Vordergrund, denn häufig folgt dem Wunsch nach Entzug auch das Bedürfnis nach einer geregelten Tagesstruktur. Ein direkter Einstieg in die reguläre Arbeitswelt ist jedoch nur in den seltensten Fällen möglich, da die oft jahrelange Abhängigkeit neben den physischen auch psychische Defizite hinterlassen hat.
Das Arbeitsprojekt „die werkstatt“ bietet in Tempelhof-Schöneberg bis zu 15 Menschen Beschäftigung im Rahmen von 1,50 Euro-Jobs. Das Projekt hat gegenwärtig 20 Patenschaften für Spielplätze und Parkanlagen im Schöneberger Norden übernommen. Die Säuberung der Flächen von Spritzen und Kondomen nimmt hier einen hohen Stellenwert ein. „Die ehemals Drogenabhängigen beseitigen die Abfallprodukte des Rauschgiftkonsums und übernehmen so gesellschaftliche Verantwortung“, erklärt Andrea Herdeling, die Leiterin des Projektes. Alle angebotenen Tätigkeiten sind gemeinnützig. Die Teillnehmer und Teilnehmerinnen werden von einer Gärtnerin, einer Hauswirtschafterin und einem Tischler angeleitet. Eine Sozialarbeiterin unterstützt sie bei der Entwicklung der weiteren beruflichen Perspektive. Melanie Salzberger ist Gärtnerin und für die fachliche Qualifizierung zuständig. „Viele Mitarbeiter sind lernentwöhnt“, beschreibt sie die Situation, „learning by doing, kombiniert mit kurzen Theorieeinheiten, hat sich im Arbeitsalltag bewährt. Für die meisten ist es wichtig, erst einmal Basiskompetenzen, wie Pünktlichkeit und Ausdauer zu trainieren.
Roger macht die Arbeit Spaß. Er braucht den Kontakt zu seinen Kollegen. „Dann is man nich so janz allein“, sagt er. „Und man macht etwas sinnvolles und kann so ein bisschen was zurückgeben an die Gesellschaft, weil ick doch soviel Mist gebaut hab'“. Heute muss er noch zum Winterfeldtplatz. Morgen ist der Nelly-Sachs-Park dran. Manchmal gibt es ein Lob von Passanten, die sich freuen, dass in ihrem Park saubergemacht wird.
Die Qualifizierungsmaßnahme wird mit Mitteln aus LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke) unterstützt. Der LOS-Begleitausschuss hat für 7 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Mittel bereitgestellt.
Seit der Gründung des Arbeits- und Beschäftigungsprojekts im Jahre 2001 bestehen enge Kooperationen mit der Berliner Wall AG, der BSR im Rahmen der Kampagne „Auf die Plätze, Straßen los“, dem Quartiersmanagement Schöneberger Norden, dem Grünflächenamt Tempelhof- Schöneberg und der Gewobag/WIR.
die werkstatt
Tel. 78 71 20 46
Email: info@drogennotdienst-diewerkstatt.org
www.drogennotdienst.org
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